Die Grundsteine

Nach diesen religiösen Verhaltensregeln lebt das Volk von Danglar, und zwar seit mittlerweile knapp über 1000 Jahren. Viele Gesetze sind hinzugekommen und innerhalb der normalen Bevölkerung haben diese Grundsteine an Wichtigkeit abgenommen. Trotzdem weiß jeder, was die Grundsteine sind, und nach den wichtigsten Punkten wird auch noch gelebt. Diejenigen, die ein Leben komplett basierend auf den Grundsteinen führen, sind die Mitglieder des Ordens und hohe Vertreter der Gesellschaft (Adel, Ritter und Gilden), wobei es auch bei diesen Vertretern Ausnahmen gibt, die die Grundsteine nicht unbedingt als absoluten Lebensleitfaden nehmen.

Auch im Orden gibt es Mitglieder, welche die Grundsteine mehr für sich auslegen, etwas verdrehen und mehr für ihre Ziele benutzen. Dies sind vor allem die Mitglieder der Flamme der Läuterung, auch genannt die Khardin. Die Khardin haben sich schon vor längerer Zeit vom ursprünglichen Orden etwas gelöst und ihre eigenen Gesetze im Orden etabliert. Diese stehen im Buch der Reinigung und gelten schon heute mehr als die Grundsteine als Gesetz für das Volk.

Kurze Fassung der Grundsteine:

  1. Ein jeder Gläubige darf erst dann sterben, wenn seine Seite aufgeschlagen wurde.
  2. Stirbt ein Gläubiger unzeitig, kann dieser wieder unter die Lebenden zurückgeholt werden.
  3. Jeder Gläubige wird in die Stätten der Werke aufgenommen, doch davor wird seine Seele im Feuer der Läuterung gereinigt.
  4. Ein Gläubiger, der einem anderen einen unzeitigen Tod beschert, ist des Todes.
  5. Lebe in Demut und Respekt für jene, die Dich leiten und befehlen, wie auch diese mit Demut und Respekt denen gegenübertreten sollen, die sie leiten und befehlen.
  6. Gehorche und diene dem berührten Falgathen, doch auch dieser soll auf seinen Berater des Ordens, des Edlen und des Gemeinen hören
  7. Seid ein starkes Volk, das in Gemeinschaft und Anerkennung lebt. Anerkennung sollen auch Ungläubige erfahren, so sie dem Glauben nicht entgegenstehen.
  8. Wissen ist der Schlüssel zur Tür der Stärke.
  9. Der Erbauer greift in den Lauf der Dinge nicht ein, er wird Dir nicht antworten, sondern Du mußt Dir selbst ant­worten.
  10. Jedem soll Hilfe widerfahren, der sie benötigt und verdient.
  11. Wer sich an den Leibern der Toten vergeht, der wird mit dem Tode bestraft und der Glaube genommen.
  12. Der Fürst der Wälder, geboren aus dem Täuscher, muß aufgehalten und vernichtet werden.
  13. Sei gewissenhaft und ehrbar, lebe nach den Gesetzen, Regeln und Sitten, die geformt sind oder noch geformt werden.
  14. Preise die Ankunft des Tages und verabschiede die Nacht, genauso wie du die Ankunft der Nacht preisen sollst und den Tag verabschiedest.
  15. Dem Gemeinen ist es erlaubt, die Grundsteine zu vernachlässigen, nicht aber, gegen sie zu verstoßen.

Ordenskriegerin im Gebet
Foto © Jochen Eyer

Ausführliche Fassung:

1. Ein jeder Gläubige darf erst dann sterben, wenn seine Seite aufgeschlagen wurde. Sollte sein Ende sich vorher ankündigen oder eintreten, so müssen jene, welche die Weihe des Erbauers erfahren haben, alles tun, um dieses zu verhindern.

2. Sollte aber ein Gläubiger schon gestorben sein, oder jede Hilfe kam zu spät für ihn, und seine Seite war noch nicht aufgeschlagen, so kann es sein, daß der Erbauer es erlaubt, daß dieser Gläubige wieder unter den Lebenden wandeln darf, sofern dieser noch will.

3. Jeder Gläubige, egal wie schändlich oder unehrenhaft sein Leben gewesen sein mag, wird vom Erbauer in seiner Stätte der Werke aufgenommen werden. Doch vorher hat jede Seele die Zeit der Läuterung zu erleben. Jeder wird im Feuer der Läuterung lodern müssen, wie lange hängt davon ab, wie aufrichtig er war. Dies kann kurz sein für einen Diener des Erbauers, oder Jahrhunderte für einen Gesetzlosen. Danach wird er mit offenen Armen vom Erbauer empfangen und wird dort seinen Platz in den Stätten des Feuers und der Esse bekommen, wo er mit anderen wunderbare Dinge schaffen wird, die vielleicht einmal unserem Volk helfen könnten. Wie nah er dabei dem Erbauer sein wird, bestimmen natürlich auch seine Taten und sein Leben.

4. Sollte ein Gläubiger einem anderem unzeitig das Leben beenden, so wird diesem die schlimmste Strafe widerfahren, die es nach dem Willen unseres Erbauers geben wird. Ihm selbst wird der Glaube abgesprochen und er wird dem Tode übergeben, denn die nicht Gläubigen stehen auch nicht im Buch der Grundsteine und haben daher kein Recht auf ein nicht unzeitiges Ende.

5. Lebe in Demut und Respekt für jene, die Dich leiten und befehlen. Genauso, wie diese mit Demut und Respekt denen gegenübertreten sollen, die sie leiten und befehlen. Denn nichts ist schlimmer, als jemanden anerkennen zu müssen, der seiner Position nicht würdig ist. Der Erbauer wird durch den Glauben all jene strafen, die sich anmaßen, ihren Rang zu mißbrauchen und nicht zu respektieren.

6. Gehorche und diene dem Fürsten unseres Volkes, den er erfährt die Weihe und Berührung unseres Erbauers. Nur jenem, der vom Erbauer berührt wurde, ist es erlaubt, unser Volk zu lenken und zu leiten. Er steht über allem und jedem, über den Dienern des Erbauers, aber nicht über den Grundsteinen. Sein Wort schmiedet Gesetz, seine Anordnung erschaffen unser Volk. Seine Führung ist das Feuer, das unser Volk formt, Sein Arm wird den Hammer gegen all jene erheben, die unserem Volke schaden wollen. Denn obwohl es einen höchsten Diener des Erbauers gibt, so ist doch der Fürst vom Blute des Erbauers, er ist berührt. Doch darf das Wirken des Fürsten nicht der Willkür verfallen, deswegen dürfen seine Anordnungen noch geschliffen werden. Ein hoher Diener des Erbauers wird die Grundsteine gegen den Fürsten schlagen, eine hoher Diener der Edlen wird deren Belange und die Belange der Äußeren gegen den Fürsten heizen und ein hoher Diener des gemeinen Volkes soll deren Sorgen auf dem Amboß erklingen lassen. Niemals darf der vom Erbauer Berührte sich über diese hinwegsetzen, er muß ihre Sorgen hören und anerkennen. Sollten sie sogar in Geschlossenheit einen Vorschlag schaffen, so muß der Fürst dieses Werk in die Tat umsetzen.

7. Stärke kommt durch Gemeinschaft, Gemeinschaft kommt durch Anerkennung – sei es durch Taten oder durch Wirken. Ein Starkes Volk wird den Lauf des Schicksals eher überstehen als ein schwaches. Daher seid ein starkes Volk, das in Gemeinschaft und Anerkennung lebt. Anerkennung sollen auch jene erfahren, die nicht unseres Glaubens sind, sofern sie diesem nicht entgegenstehen und ihre Taten und Gedanken die Anerkennung des Erbauers verdienen.

8. Wissen ist der Schlüssel zur Tür der Stärke. Wer vieles weiß, kann Wissen verwenden, um zu überleben. Denn nicht nur der Fürst der Wälder, das Kind des Täuschers, trägt viele Gesichter und Masken, sondern auch der Lauf der Dinge.

9. Rufe den Erbauer an, um deinen Geist und Körper zu stärken, sei gewiß, er wird dich hören, egal wie Du lebst oder bist. Aber denke immer daran: der Erbauer greift in den Lauf der Dinge nicht ein, er wird Dir nicht antworten, sondern Du mußt Dir selbst antworten. Denn die Welt war schon, bevor es Götter gab, und wird auch noch sein, wenn alle Götter gegangen sind. So wird er nicht die Leiden von uns nehmen, die unser Volk, unsere Frauen, Kinder, Männer, Ritter oder sogar unseren Berührten Fürsten treffen werden. Denn auch durch Leid erfährt man Stärke, und die Diener des Erbauers werden alles daran setzen, das Leiden zu verringern und zu helfen. Denn das ist die einzige wahre Hilfe, die uns der Erbauer lehrt.

10. Jedem soll Hilfe widerfahren, der sie benötigt und verdient. Denn nichts ist schlimmer, als um Hilfe zu rufen und gehört zu werden, ohne das geholfen wird. So soll auch der Höchste der Höchsten die Bitte um Hilfe nicht dem Kleinsten der Kleinsten verwehren. Denn so der Lauf der Dinge sein wird, wird vielleicht der Kleinste der Kleinsten dem Höchsten der Höchsten selbst einmal helfen.

11. Der Tod ist endgültig und gerecht; jeder, der diesem Ziele zuwider strebt, verdient nur unsere Verachtung oder unser Mitgefühl. Aber sollte er sich an den Leibern unserer Toten vergehen, so wird er mit dem Tode bestraft und ihm wird sein Glaube genommen.

12. Der Fürst der Wälder, geboren aus dem Täuscher, ist ein Feind des natürlichen Lebens. Seine Wege sind krank und verdorben, seine Wurzeln nähren sich von Haß und Leid. Deshalb muß er aufgehalten und vernichtet werden, denn er ist noch unberechenbarer als zu seiner Zeit der Verblendete. Er wird eine größere Bedrohung werden als dieser, seinem Weg werden all jene folgen, die nicht stark genug sind, die wahren Ziele des Fürsten der Wälder zu erkennen.

13. Sei gewissenhaft und ehrbar, lebe nach den Gesetzen, Regeln und Sitten, die geformt sind oder noch geformt werden. Denn wenn du nach den Regeln der Gesellschaft und der Führenden lebst, führst du ein Leben im Sinne des Erbauers. Vergiß dabei aber niemals die Grundsteine, denn diese sollen Dein Wegweiser sein. Sie müssen im Einklang mit all den Regeln und Gesetzen stehen. Denn Führende können irren, die Grundsteine aber niemals.

14 . Preise die Ankunft des Tages und verabschiede die Nacht, genauso wie du die Ankunft der Nacht preisen sollst und den Tag verabschiedest. Denn ein jeder Tag birgt neue Herausforderungen und Freuden, aber auch neue Versuchungen und Trauer. Hole dir für jeden Tag Kraft und Stärke beim Erbauer, indem du dich in einem kurzen Augenblick der Ruhe Ihm zuwendest. Was für den Tag gilt, soll auch für die Schwärze der Nacht gelten, egal, ob Du dich zu Ruhe begibst oder Deine Werke erst beginnen. Auch vor Beginn der Nacht sollst Du Dich an den Erbauer wenden, damit Dein Geist gestärkt wird. Aber bitte auch ein jedes Mal um Vergebung, wenn du die Tageswechsel begrüßt, denn kein Gläubiger, egal, wie hoch er in der Gunst des Erbauers steht, kann frei von Fehlern sein, ganz gleich, wie sehr er sich bemüht. Wichtig ist nur, das Du Dir deiner Fehler bewußt wirst und sie vor dem Erbauer nennst, denn nur so wird Dein Geist Ruhe und Kraft zurückerhalten und Du wirst an Stärke gewinnen.

15. Dem Gemeinen ist es erlaubt, die Grundsteine zu vernachlässigen, sei es aus Unwissenheit oder aus der Not heraus. Ihm sei es aber nicht erlaubt, gegen sie zu verstoßen, wie auch jede Vernachlässigung von den Dienern des Erbauers vorgetragen werden muß, damit diese von den Schultern des Vernachlässigers genommen werden kann. Dies zu beurteilen wird alleine den Dienern des Erbauers zuteil werden, oder noch jenen, die der Fürst ernennen wird. Ansonsten wird niemand über Fehlgeleitete Recht sprechen dürfen. Dienern des Glaubens und hohen Vertretern des Volkes ist es untersagt, die Grundsteine zu vernachlässigen. Sie müssen ein Leben nach diesen führen, so ist der Wille des Erbauers.