Das Mädchen aus Krat

Melodie: Der König aus Thule

So ging ich eines Tages
Durch Kratens hellen Wald
Da traf ich auf dem Wege
Ein Mädchen wohlgestalt.

Schlank wie des Schwertes Klinge
Aus edlem harten Stahl.
Ein Lächeln wie des Feuers Glanz,
Ein Aug’ wie Silberstrahl.

Ich sprach: „Mein schönes Mädchen,
Wohin wohl führt es dich?“
Sie senkte scheu die Blicke
Und lange sprach sie nicht.

Es war wie Glockenläuten,
Als ihre Stimme klang.
Ihr Wort schlug heiße Funken
So dass mein Herze sang.

„Ich wandre zu der Mutter“
Sprach sie mit leisem Wort.
„Ich kann sie nicht vergessen,
Ein Jahr ist sie heut fort.“

Und große Trauer fand ich
Tief in des Mädchens Blick.
Mein Herz wollte zerspringen
Oh großes Ungeschick!

Ich sprach: „Lass mich dein Freund sein
So der Erbauer mag.
Ich werde dich begleiten
An diesem schweren Tag.“

Am Gräberfeld, da sah ich
Der Mutter letzte Ruh.
Das Mädchen kniete nieder
Und still sah ich ihr zu.

Ich fasste sanft ihr Haupt
Dort an dem kühlen Grab.
Es rollte eine Träne
Auf meine Hand herab

Zum Beten fiel ich nieder
Und sank auf meine Knie.
Für Mutter und für Tochter,
Dass Frieden finden sie.

Doch wie ich dort das Haupt hob,
Da ich fand große Not.
Ich sah: des Mädchens Mutter
War hundert Jahre tot.

Verschwunden war das Mädchen,
Geblieben keine Spur.
In meiner Hand der Glitzer
Verlor’ner Träne nur.